International Velomobile-Meeting 2006

7. Internationales Velomobilmeeting „2006 in Biebertal“

von Peter Noll, Gelnhausen

Am Freitag, den 22. Sept. 2006 war es wieder soweit, ich stand vor der Entscheidung, ob ich mit dem Cab-Bike oder dem Motorrad zum Meeting fahren würde.

Mit dem Motorrad deshalb, da ich leider eine längere Radfahrpause einlegen musste und deshalb mein Trainingszustand und meine Motivation sehr zu wünschen übrig ließen.

Mit meinem Velomobil habe ich aber ein sehr bequemes Transportmittel, sodass ich mich dann doch entschloss, besonders gemütlich (=langsam) die 90km Fahrstrecke bis zum Forsthaus Dünsberg zu genießen.

Nach einer Fahrstrecke von 10 Metern ereilte mich der erste Plattfuß vorne. Gleichmütig reparierte ich ihn, wusch mich und startete den nächsten Versuch. Diesmal kam ich etwa 600 Meter weit. Wieder ein Plattfuß. Etwas weniger gleichmütig, eher fluchend, reparierte ich ihn nicht, sondern ich tauschte das platte Rad gegen mein mitgeführtes Reserverad. Ich überlegte, ob das Motorrad doch robustere Reifen hätte? Und ich lieber diese nutzen sollte?

Da kam mir ein Auto entgegen mit einem aufgeschnallten Quest. Ich freute mich sehr, ein VM hier in Gelnhausen zu sehen. Doch: WAS sollte hier ein Quest zu suchen haben? Es suchte mich. Peter H., sein Besitzer aus München, wollte gerne die Teilstrecke von Gelnhausen bis zum Meeting mit mir gemeinsam zurücklegen. Hätte ich bloß einmal im Forum nachgesehen, so hätte ich das auch vorher mitbekommen.

 


So hatte er großes Glück mich zu treffen, und ich? Ich machte mir so meine Gedanken. Mit meinem Cab-Bike sollte ich ein Quest begleiten? Wo ich doch diesmal besonders langsam fahren wollte?


Jedenfalls lief die gemeinsame Anfahrt erstaunlich gut. Ich bekam zwar starke Waden- und Beinschmerzen, aber ich konnte es wegstecken. Wir rechneten beide mit einer akzeptablen Geschwindigkeit von etwa 30 km/h auf geraden Strecken. Wobei ich mich von dieser Zahl schon leicht überfordert fühlte. Tatsächlich fuhren wir auf den geraden Strecken immer zwischen 36 und 40 km/h. Ich war verblüfft.Trotz Beinschmerzen und sehr welligem Landschaftsprofil erzielten wir bis zum Ziel einen Schnitt von etwas über 25 km/h.
 


Mit Worten kann ich das gar nicht ausdrücken: Wie sehr ich die Fahrt durch mir unbekannte Dörfer und Felder bei blauem Himmel genoss. Und was es mir bedeutet, am Zielort so viele mittlerweile vertraute Gesichter wiederzusehen. Und viele „unvertraute“, deren Namen mir seit langem durch das Velomobil-Forum bekannt sind.

Reinhold und Margitta konnten zum Organisieren leider diesmal nicht vor Ort sein, so dass Bernd, Bea und Markus in deren Fußtapfen treten mussten. Eine gewaltige Aufgabe, ich denke nur an das sehr leckere Essen.
 


Vor dem Abendessen gab es noch eine Überraschung: Bernd hat es zusammen mit Vertretern der „Zürich-Versicherung“ tatsächlich möglich gemacht, dass es jetzt eine Versicherung gibt, welche das bisher unbekannte Fahrzeug „Velomobil“ versichern kann.

Über das Wagnis „Velomobil“ liegen bisher leider überhaupt keine Erfahrungswerte für Versicherungen vor, deshalb ist es zu begrüßen, dass es nun eine Versicherung gibt, die sich diesbezüglich kooperativ zeigt. Da eine jährliche Prämie von über 1000 Euro witzlos ist, wurde ein besonderer Weg gewählt: Das Velomobil kann für einen geringen Aufschlag (oder als Komplettpaket) in die Hausratversicherung einbezogen werden. Individuelle Anfragen sind ausschließlich an Herrn Martin Brücker, Wetzlarer Strasse 1,  in Giessen zu richten. (bruecker@zuerich.de). Andere Vertretungen werden diese Möglichkeit gar nicht kennen.

 

Am nächsten Tag fuhren wir alle nach Gießen in die Stadtmitte, um uns wie jedes Jahr den zahlreichen Fragen von Passanten zu stellen.
 


Es waren 44 (!) Velomobile zu zählen. Darunter 10 Cab-Bikes, 4 Cab-Bikes in Speedster-Ausführung, 3 Mangos, 2 Alu-Alleweder, 1 C-Alleweder (Limit), 1 WAW, 1 Leiba, 1 Leitra. 21 Quests bildeten das größte Feld. Plus  1 Kettwiesel Trike und ein Sinner Trike.


Die Sache mit dem Zählen gestaltete sich recht schwierig, zu sehr ähneln sich von weitem viele VM´s. Um die Auge-Hirn-Koordination zu verbessern, besuchten wir anschließend das Mathematikum in Gießen.

 

Das ist ein sehr bekanntes „Museum“ für Mathematik, in welchem ausdrücklich das Anfassen und Ausprobieren vieler Experimente gewünscht ist. Sehr schnell verging die Zeit in diesem ungewöhnlichen Museum, dessen Besuch ich an dieser Stelle nur jedem empfehlen kann.

Auf der Rückfahrt zum Forsthaus wurde wieder ein kleines „Rennen“ eingebaut. Über die Platzierungen bin ich nicht informiert. Ich gehe aber stark davon aus, dass Ymte aus den Niederlanden auch diesmal noch vor dem Zweitplatzierten ins Ziel kam.

Für mich hatte das Rennen eine besondere Bedeutung:
Bis zu dem Rennen kämpfte ich den ganzen Tag mit Bein- und Gesäßschmerzen, nach dem Rennen waren sie wie weggeblasen.

Vor dem Abendessen gab es noch Vorträge von Jürgen, Bernd und Ymte über die Lenkungs- und Federungstechnik bei Leitra, Cab-Bike und Quest. Viel Neues war für mich zu erfahren, zu viel, um es in kurze Worte fassen zu können. Es fiel mir beim Vortrag auf, dass die einzelnen VM-Vertreter sich gegenseitig halfen und ergänzten. Jeder hatte Respekt vor dem „Konkurrenten“, es entstand ein schönes „Wir-Gefühl“.
Es gibt kein gutes und kein schlechtes VM, es gibt einfach unterschiedliche für unterschiedliche Einsatzzwecke.

Der weitere Abend wurde wie immer länger als geplant, hieß es doch schon am nächsten Morgen nach dem Frühstück wieder, sich voneinander zu verabschieden.

Die Hoffnung bleibt, einige schon vor Ablauf eines weiteren Jahres wiedersehen zu können. Beispielsweise auf der nächsten Spezialradmesse in Germersheim am 28. und 29. April 2007.


Das Wochenende beim VM-Meeting hat mir dieses Mal besonders gut gefallen, ich bin sehr froh, dass ich dort sein konnte. Auf der Heimfahrt begleitete mich wieder Peter H.
 

Aus der Erfahrung der gemeinsamen Hinfahrt wusste ich, dass ich die Strecke nach Hause nun sicher schaffen würde. Und meine Beine waren „frei“, wie das im Radlerumgangston heißt. Mein Kopf auch, sodass bei Ankunft in Gelnhausen ein wunderschönes, erlebnisreiches Wochenende zu Ende ging.

Keine Frage: Ein VM-Meeting ist eine Reise wert.