Internationales Velomobile Meeting 2003

von Peter Noll, Gelnhausen

Am Freitag, den 26.Sept. 2003 machte ich mich auf meine erste große Fahrt zum 3. internationalen Velomobilmeeting nach Biebertal bei Gießen.

Ich bin zwar bisher 4000km innerhalb 10 Monate gefahren, jedoch niemals mehr als 26 km an einem Stück. Nun sollte mir eine Bewährungsprobe mit einer Fahrstrecke von 100km durch hügeliges Gelände bevorstehen.

Mit meinem MTB habe ich zwar schon längere Distanzen zurückgelegt, mein Cab-Bike brachte aber nicht nur eine andere Fahrerposition sondern auch ein anderes Gewicht (reisefertig exakt 50kg!) mit sich. Ich hatte es allerdings mit meinem Gepäckumfang etwas übertrieben, hätte einige kg locker einsparen können.

Ich dachte mit Sorgen an meine schmerzhafte Eingewöhnungszeit innerhalb der ersten 2000km und wußte nicht, wie qualvoll meine Fahrt werden könnte.

Etwas unsicher aber hochmotiviert ging ich an den Start. Mittels Routenplaner habe ich mir im Voraus eine schöne Strecke unter Vermeidung "größerer Straßen" herausgesucht. Mein neu erworbenes GPS war auch mit an Board, blieb zunächst aber ausgeschaltet. Ich wollte mir später mit dem GPS den schwierigen Weg durch die Gießener Innenstadt erleichtern.

Die gewählte Strecke war wunderschön. Durch kleinste und unbekannte Ortschaften zu Fahren ist immer wieder ein unvergessliches Erlebnis. Überall wurde ich mit meinem Cab-Bike freundlich begrüßt und niemals gab es unangenehme Situationen etwa mit Autofahrern.

Nach etwa der Hälfte der Strecke verfuhr ich mich aber trotz Karte. Nachdem selbst Ortsansässige(!) durch Drehen und Wenden der Karte mir nicht den Weg zum genannten nächsten kleinen Ort zeigen konnten, kam die Stunde meines GPS-Systemes.

Ich mußte nur 600m zurück fahren, dann kam ein Hinweisschild zu meinem gesuchten Ort "2km". Na ja.

Das GPS wies mir übrigens hervorragend den Weg in einer angenehmen 3D-Darstellung (Tom Tom Navigator 2), die Strecke verlängerte sich aber von meiner geplanten Route von 92km auf genau 100km. Ohne Orientierungspausen und ohne Stress konnte ich mich so noch mehr auf die Landschaft konzentrieren. Ich kann dieses Programm nur empfehlen.

Ich plante meine Durchschnittsgeschwindigkeit mit 21km/h und meine Fahrzeit auf 5 Stunden ein, tatsächlich erreichte ich ungefähr meine Erwartung, so daß ich nach 100km und 4:45 am Ziel ankam.

Dort gingen sofort die interessanten Fachgespräche mit bereits anwesenden Velomobilisten und Interessenten los, meine Freude war sehr groß mich endlich direkt mit anderen Fahrern austauschen zu können.

Der Abend nach dem Abendessen wurde noch lang und war doch zu kurz.

Am nächsten Tag gab es eine gemeinsame Ausfahrt (ich glaube, ich hatte 33 Velomobile gezählt (?), die viel Spaß bereitete. Ich konnte sehr gut meine eigene Leistung und die Windschlüpfrigkeit meines Cab-Bikes mit der körperlichen Leistungsfähigkeit (Bergfahrt) und der Windschlüpfrigkeit der anderen Modelle (Talfahrt) vergleichen. Interessant war auch das Mitfahren von Mountainbikern und deren Leistung am Berg und Bergab.

Mir brachte die Anreisefahrt und die Ausflugsfahrt die Erkenntnis, daß das Cab-Bike sehr wohl eine wesentlich bessere Aerodynamik als ein herkömmliches Fahrrad aufweist. Ich hatte diesbezüglich vorher ein wenig Zweifel.

Ich muß wirklich sagen, nach dieser Fahrt bin ich mit meinem Cab-Bike ein großes Stück zufriedener geworden. Ich werde auch in Zukunft größere Strecken fahren, mein Vertrauen in die Technik und in mich ist stark gewachsen.

Ein Vortrag über den aktuellen Stand der Brennstoffzellenentwicklung in Deutschland von einem Mitarbeiter der Firma Ballard (Dipl. Physiker Frieder Herb) war sehr interessant. Geplant ist (mit einem Velomobil als Basisfahrzeug) eine Strecke von 3000km durch Europa mit nur 2kg Wasserstoff an Board durchzuführen.

Eine Diskussion mit Herrn Matthias Wagner, MdL, Bündnis90/die Grünen zur Verkehrspolitik, insbesondere mit dem Bezug zum Fahrrad schloß sich an.

Es ist nicht möglich alle Eindrücke an diesem Wochenende hier kurz wiederzugeben, die Gastfreundschaft und excellente Versorgung durch den Gastgeber (Firma Cab-Bike) sei ebenso hervorgehoben wie die vielen freundlichen Gespräche mit den anderen Fahrern aller Nationen (Deutsche, Hölländer, Russen).

Zur Heimfahrt am Sonntag Vormittag schloss sich mir zunächst ein "Quest"- Fahrer an, er wollte von einer stressfreien, GPS-geführten Stadtdurchfahrt durch Gießen profitieren.

Das tat er auch, nach 40km verabschiedete er sich allerdings, ich war ihm mit meinem Cab-Bike und mit meiner Routenführung durch kleinste Ortschaften zu langsam, wollte er doch (an einem Tag!) eigentlich bis zum Bodensee durchfahren.

Auf der Heimfahrt anfangs im Dauerregen freute ich mich, daß ich so geschützt im Cab-Bike sitzen konnte. Es ging wesentlich mehr bergab als bergauf, meine Durchschnittsgeschwindigkeit stieg zunächst auf 27km/h.

Mit vielen positiven Eindrücken und neuen Ideen um mein Cab-Bike noch mehr zu optimieren bleibt mir dieses Wochenende in meiner Erinnerung. Für mich steht fest: Nächstes Jahr komme ich wieder.

Gelnhausen, 5 Oktober 2003

Highlights vomVelomobil-Meeting 2003

Unsere Freunde von Rusland Wasli Gess und Eduard Ganske stellten ein neues Velomobil vor

         

 

Drei weibliche Velomobilisten bereichten das Meeting:

* Anja Sandtner kam mit ihrem Leitra

* Christine Herden stellte ihr hübsches Cab-Bike vor

* Margitta Hoffmann fuhr mit ihrem bekannten Cab-Bike

 

 

Die drei sehr starke Velomobilisten, die das 2003 Paris-Brest-Paris (1260km) fuhren waren anwensen:

* Gert Jans aus Deutschland

* Mark Burgers aus Holland

* Hans Wessels aus Holland